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The Beatles: The Blue Album
The Beatles: The Blue Album
The Blue Album (1973)
Uriah Heep Salisbury
Uriah Heep Salisbury
Salisbury (1971)
Nazareth Lound `n Proud
Nazareth Lound `n Proud
Lound `n Proud (1973)
Deep Purple Made in Japan
Deep Purple Made in Japan
Made in Japan (1972)
Uriah Heep Live in Birmingham
Uriah Heep Live in Birmingham
Live in Birmingham (1973)
Birth Control Live
Birth Control Live
Live (1974)
Status Quo On The Level
Status Quo On The Level
On The Level (1975)
Deep Purple Come Taste The Band
Deep Purple Come Taste The Band
Come Taste The Band (1975)
Eloy Dawn
Eloy Dawn
Dawn (1976)
Led Zeppelin Physical Grafiti
Led Zeppelin Physical Grafiti
Physical Grafiti (1975)
Thin Lizzy Live And Dangerous
Thin Lizzy Live And Dangerous
Live And Dangerous (1978)
Rush Hemispheres
Rush Hemispheres
Hemispheres (1978)
Iron Maiden Iron Maiden
Iron Maiden Iron Maiden
Iron Maiden (1980)
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The Beatles - The Blue Album
Uriah Heep Salisbury
Nazareth Lound `n Proud
Nazareth Lound `n Proud
Uriah Heep Live in Birmingham
Birth Control Live
Status Quo On The Level
Deep Purple Come Taste The Band
Eloy Dawn
Led Zeppelin Physical Grafiti
Thin Lizzy Live And Dangerous
Rush Hemispheres
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Shadow

influences

Die vorgestellten musikalischen Werke mit Cover haben meinen Werdegang als Musiker besonders beeinflusst. Ich berufe mich bezüglich der beschreibenden Darstellung dieser Musikwerke in Form einer persönlichen Rezension auf das Zitaterecht nach § 51 UrhG.

Bevor die CD Mitte der 80er Jahre schon inflationär die LP aus dem Musikregal verdrängte, hatte ich bis dato eine stattliche Sammlung von gut 200 LPs über die Jahre zusammen getragen. Ich habe mir natürlich nur solche Platten gekauft, die ich auch gerne hören wollte und prinzipiell hat jede LP dazu beigetragen, meinen Musikgeschmack zu prägen. Dennoch ragen einige Scheiben besonders hervor, die vor allem eine persönliche Geschichte haben. Davon will ich hier erzählen …

Bemerkung am Rande: Ich versuche hier eine persönliche Chronologie der Musik-Produktionen zu erstellen, die mit der zeitlichen Erscheinung des jeweiligen Titels nicht immer konform geht. 


Alter 11 Jahre

Beatles – The Blue Album

Wenn man mich heute nach der wichtigsten Produktion der The Beatles fragte, käme mir wie aus der Pistole geschossen das Album Sgt. Pepper in den Sinn, das für mich sogar das Jahrhundert-Album der Popmusik schlechthin ist. Eigentlich bin ich ein Fan der späten Beatles, vor allem der Alben White AlbumAbbey Road und Let It Be. Geprägt haben mich aber die beiden Doppel-LPs (Red Album und Blue Album), die 1973 nach der Bealtes-Ära erschienen sind. Das lag sicher daran, dass man seinerzeit das Red- und das Bluealbum der Beatles einfach im Portfolio jeder LP-Sammlung hatte. Und so stolpert man zwangsläufig über diese Musik, wenn man wie ich als musikhungriger Jungendlicher durch die Plattenstapel seiner älteren Cousins oder Cousinen stöberte.

Schon das Apple-Label,- 1. Seite ein ganzer Apfel, 2. Seite ein halber Apfel mit Kernhaus -, war Kult. Und es gab Anfang der 70er Jahre für mich nichts Erbaulicheres, als diese vier Vinylscheiben rauf und runter zu hören und die wundersame Wandlung der Pilzköpfe von Sakkoheinis zu Langhaarhippies zu bewundern. Lange Haare sind einfach das äußerliche Symbol für Freiheit, Unangepasstheit und Selbstbestimmung. Ein Thema das mich bis heute seelisch ergreift, weshalb ich ein großer Fan des Musicals Hair bin. Und mein damaliges Idol, John Lennon, war einfach die Verkörperung dieser Ideale.

Ich glaube diese LPs hatten gar keine Rillen mehr, so oft muss ich diese gehört haben. 

Release 1973


Alter 12 Jahre

Uriah Heep – Salisbury

Auf diese Platte ist man früher zwangsläufig gestoßen, weil darauf seiner Zeit das wohl populärste Stück von Uriah Heep Lady In Black zu hören war. Und irgendwann ist einer meiner Freunde damit um die Ecke gekommen und wir haben diese Scheibe dann regelrecht zelebriert, denn die Auswahl an Alternativen war seinerzeit äußerst begrenzt.

Während natürlich die meisten auf die „Lady in schwarz“ standen, fand ich persönlich „Bird of prey“ oder „High priestess“ viel erbaulicher. Vor allem das über 16 Minuten dauernde klassische Stück „Salisbury“, die Antwort auf Deep Purples Concerto For Group And Orchestra, hat es mir angetan.

Damals haben sich durch diese LP zwei neue musikalische Vorlieben entwickelt: Einmal klassisch angehauchter Rock, weshalb ich später für Alan Parsons Project leicht zu gewinnen war und das andere Mal die Hammond Orgel. Die hatte ich als Pubertierender ganz verdrängt, vielleicht weil meine Eltern mir mit zehn Jahren eine Orgel kauften, obwohl ich doch lieber Gitarre spielten wollte.

Interessant ist der Umstand, dass diese LP von Uriah Heep 1986 wieder in mein Leben kommen sollte. Damals hatte unser Management die Wahnidee, den Erfolgstitel „Lady in black“ zu covern. Das passte zu uns Schwermetallern gar nicht. Dennoch wurde ein Video dazu gemacht … und es sollte nie veröffentlicht werden …

Release 1971


Alter 12 Jahre

Nazareth – Loud ´n Proud

„This flight tonight“ war wohl der Auslöser, mit 12 Lenzen, nach einigen Jahren meines Ausflugs in die Welt der Bontempi-Orgel, Gitarre zu lernen und in einer Band spielen zu wollen. Dabei stammte der Song gar nicht von Nazareth selbst, sondern war in einer Folk-Version von Joni Mitchell ein Jahr zuvor veröffentlicht worden.

Nazareth hat mich damals schwer beeindruckt. Nazareth war der Rock `n Roll der frühen siebziger Jahre, der dann später von KISS weiter getragen wurde, jedoch mit dem Unterschied einer guten Dosis Blues, gepaart mit minimalistischen Arrangements von Bass und Gitarre. Das reicht aus, um gute Rockmusik zu machen. Das haben damals Bands wie Black Sabbath, The Sweet oder Led Zeppelin bewiesen. Rock geht auch ohne Orgel oder einer zweiten Gitarre, wie das später im Heavy Metal obligatorisch werden sollte.

Als diese Band 1973 in Bayreuth in der Rotmainhalle spielte, haben es meine Eltern damals verständlicher Weise nicht vertreten können, mich mit 11 Jahren auf eine solche Rockparty zu schicken. Aber das Schicksal meinte es gut mit mir. 1985 durfte ich, zusammen mit Talon als Opener, Nazareth ganze 15 Konzerte lang jeden Abend genießen. Was für eine Genugtuung!

Release 1973


Alter 14 Jahre

Status Quo – On the level

Muss man sich heute eigentlich für diese Band schämen? Für einen 14jährigen ist das sicher in Ordnung. Es war einfach in den frühen Siebzigern die neue überschwappende Soundwelle „Boogie Rock“, eine von vielen solcher Strömungen in den 70ern, wie Glam Rock, Hard Rock, Punk Rock, Classic Rock usw. Und man musste einfach mitschwimmen.

Obgleich ich heute die LPs „Hello“ oder „Quo“ viel interessanter finde, war es die erste Scheibe, die ich mir aus meinem kleinen Taschengeldbudget selbst kaufte. Man muss wissen, dass damals 20 DM vielleicht so viel Wert waren wie heute 60 €. Man konnte damit 3 Mal ins Kino mit Cola gehen oder den Eintritt für ein großes Rockkonzert bestreiten. Mein erstes „großes“ Konzert war 1976 im Rahmen der Status-Quo-Tournee zu „Blue for you“ in der Freiheitshalle Hof. Und soweit ich mich erinnere, kostete die Karte damals 17,50 DM, also so viel wie eine LP damals. Und was kostet heute ein Konzert eines bekannten Künstlers? Wir wissen, dass diese ungeliebte Währung nur noch einen Pfifferling Wert ist, wenn überhaupt. Gut angelegt waren aber die 17,50 Mark für ein Konzert, das ich heute noch gut in Erinnerung habe. Es war ein Hexenkessel und ich war irgendwo mitten drin und ließ mich zu Backwater oder Caroline von riesigen Wellen der Begeisterung mittragen.

Auch die folgende Veröffentlichung „Blue for you“ habe ich mir gekauft. Eine anspruchsvollere LP mit gutem Sound. Der „Mysteriesong“ und „Rain“ sind mir bis heute fest im Gedächtnis geblieben. Leider ist Rick Parfitt schon seit 2016 im Rockhimmel. Er war für mich prägender als der Frontman und Leadsänger Francis Rossi. Rest in peace my friend Rick. You gave me good vibrations for my life …

Release 1975


Alter 14 Jahre

Deep Purple – Made in Japan

Ich weiß nicht, ob man diese Doppel-LP nicht wirklich als das beste Rock-Live-Album bezeichnen darf. Fest steht jedenfalls, für mich sind diese 2 Scheiben eines der meistgehörtesten Alben ever. Welches Stück ich dabei aber obligatorisch immer übersprang war Smoke On The Water. Die Massensuggestion dieses Stückes als parallele Verschiebung einer Quarte hat mich nie wirklich erreicht. Ich fühlte mich eher gelangweilt von diesem Riff und bis heute ist es für mich das Stück von Deep Purple, das mich am wenigsten berührt.

Stattdessen liebte ich den 20-Minuten-Schinken „Space Trucking“, den ich nicht selten mehrere Male hintereinander hörte. Es war einfach spannend als passiver Zuhörer durch eine faszinierende Welt von progressiven Phrasen geführt zu werden. Vor allem die Kombination softer, klassischer Elemente, mit härteren, pogressiven Einflüssen weckte meine Faszination, die ich heute noch teile. Und vielleicht war dies schon ein Anzeichen dafür, dass ich niemals für Kommerz zu haben sein dürfte und die progressive Rockmusik immer mehr in den Mittelpunkt meines Musikgeschmacks stellen würde.

In dieser Zeit aber war ich noch nicht reif für solche Kunstformen der Rockmusik. Mit Genesis und YES, als die damaligen Vertreter des Progrock, konnte ich als Teenager noch nicht so viel anfangen. Den tieferen Geschmackssinn habe ich erst später mit dem Fortschreiten eines erweiterten Bewusstseins über Musik und ihre Theorie entwickelt.

Release 1972


Alter 15 Jahre

Led Zeppelin – Physical graffiti

Wenn ich musikalisch mein Leben Revue passieren lasse, haben mich wohl die Rocksongs der frühen 70er bis Ende 70 am meisten geprägt, wie das diese Auswahl gut wiederspiegelt. Gegen Ende der 70er ist die Pop- und Rockmusik sehr breit geworden und viele Stile haben sich parallel entwickelt und neue Ausdrucksmöglichkeiten gesucht, wie z.B. im Heavy Metal, Punk, Wave, NDW usw. Man konnte die Fülle nicht mehr aufnehmen und überall präsent sein. Man musste sich entscheiden. Ich habe meinen Focus in diesem ausgehenden Jahrzehnt dann auf den Heavy Metal gelegt.

Interessant ist der Umstand, dass ich heute diese Musik gar nicht mehr höre, sondern großer Anhänger des Progressive Rock geworden bin. Diese Musik erschließt sich aber aus den Einflüssen dieser Zeit, denken wir an Yes, Kansas, Genesis, CamelJethro Tull, Nektar, Wishbone Ash, Renaissance, Pink Floyd usw. Die Siebziger waren das Jahrzehnt der Classic Rockriffs, die noch ohne die Komplexität des ProgRocks auskamen.

Dieses Album von Led Zeppelin markiert dabei den Höhepunkt dieser Ära. Und wenn ich heute darauf zurückschaue, dann ist diese Doppel-LP das Requiem für die großartigen ersten 5 Jahre dieses Jahrzehnts. Und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich bei meinem besten Freund Jochen in dessen Zimmer diese Doppel-LP rauf und runter hörte. Und jeder Song kommt mir so vertraut vor. Selbst nach 30 Jahren, in denen ich keinen einzigen Ton mehr von dieser epochalen Produktion hörte. Das lag sicher daran, dass man LPs damals zelebrierte, weil man nicht so einfach von Song zu Song springen konnte. Daher habe ich keinen Titel dieser LP gefunden, den ich jetzt für mich herausragend empfunden hätte. Jeder Song auf diesen zwei Scheiben ist einzigartig und atemberaubend genial. Vielleicht ist es „Ten Years Gone“, wenn ich unbedingt einen Song herausgreifen müsste.

Wenn ich dieses Album heute wieder auflege, und ich tue das nicht wenige Male im Jahr, dann höre ich es wie damals immer ganz an. Es ist wie ein Film, in den ich mit feuchten Augen einsteige und es nicht fassen kann, Zeitzeuge dieser Produktion gewesen zu sein. Ja, ich bin verdammt stolz darauf, das schönste und freieste Jahrzehnt der Geschichte der Menschheit erlebt haben zu dürfen. Led Zeppelin hatte darin einen ganz festen Platz …

PS: Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir die legendären Rick Beatos Videostreams auf Youtube gerne anschaue, sind wir beide doch im gleichen Jahr 1962 geboren, als die Firma Marshall Amplification gegründet wurde. Wir beide haben doch in der Tat das gleiche Empfinden für diese Zeitepoche. Ohne Marshall Equipment hätte sich die Rockmusik bestimmt ganz anders entwickelt. Es gibt keine Band aus der Classicrock Ära, die nicht diese Amps auf der Bühne gespielt hätte. 

Release 1975


Alter 15 Jahre

Uriah Heep – Live in Birmingham

Uriah Heep genoss in den frühen siebziger Jahren große Popularität und erreichte vor allem die Masse junger Menschen mit Songs wie „Gypsie“, „Lady in black“, „Look at yourself“ oder „Stealin‘. Led Zeppelin oder Black Sabbath hatten hingegen vielleicht doch einen etwas anspruchsvolleren, progressiveren Fankreis. The Sweet, Nazareth und Uriah Heep waren schlicht und ergreifend in meinem ländlichen Umfeld geläufiger und wurden von Tanzbands in der damaligen prosperierenden Szene immer wieder gerne gespielt.

Sänger David Byron gab als Galionsfigur dieser Band einen besonderen Schimmer und seine Stimme war einzigartig charismatisch. Das Schicksal der Band war an seine Präsenz in der Zeit von 1970 bis 1977 geknüpft und mit seinem Ausscheiden und seinem frühen Ableben war auch das kreativ musikalische Ende dieser Band besiegelt. So ist die Doppel-Live-LP von 1973 ein Zeugnis einer außergewöhnlichen Band auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, die es in dieser Form so nicht mehr wieder geben sollte.

Ähnliches galt für Deep Purple. Es waren die beiden Bands, in denen die Hammond-Orgel den Sound prägte. Und wer keine Hammond mochte, der konnte auch mit beiden Combos wenig anfangen, obgleich die Gitarrenarbeit von Ritchie Blackmore  (Deep Purple) doch entscheidender stilprägend war, als die Gitarre von Mick Box (Uriah Heep). Dafür war die Hammond Orgel von Ken Hensley (Uriah Heep) dominanter im Vordergrund zu hören, als dies bei Jon Lord (Deep Purple) der Fall war. Übrigens sind diese beiden prägendsten Figuren der Rock-Hammond-Orgel fast zeitgleich im Jahr 2020 verstorben, wie inzwischen schon so viele aus der „Classic-Rock-Ära“.  

Uriah Heep war Rockmusik für Träumer und Sentimentalisten wie mich. Noch heute höre ich immer wieder mit Gänsehaut einzelne Stücke aus diesem legendären Album, das in keiner Rocksammlung fehlen darf.

Release 1973


Alter 15 Jahre

Deep Purple – Come taste the band

Die letzte LP dieser mit Erlaub einflussreichsten Rockband ever, vor der Reunion 1984, markierte für mich persönlich den Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens. Vielleicht liegt es daran, dass ich der Mark-III-Besetzung mit Glenn Hughes am Bass und David Coverdale an den Vocals am meisten Sympathie abgewinnen konnte. Aber dass ich mal die Abwesenheit des stilprägenden Gitarristen „Ritchie Blackmore“ als Bereicherung empfinde, wäre mir zu Lebzeiten der Band nicht in den Sinn gekommen.

Ich habe mir tatsächlich diese LP 1975 gekauft, obwohl ich damals für eine LP kein Geld hatte und ich mir nicht einmal das Voralbum „Stormbringer“ leisten konnte. Dabei war „Come taste the Band“ jenes Album, das sich von allen Veröffentlichungen dieser Band mit etwas mehr als 100.000 LPs weltweit am schlechtesten verkaufte, was für eine Band wie Deep Purple zur damaligen Zeit ein Desaster gewesen sein musste. Dieser Umstand war sicher auch ein triftiger Grund, warum Jon Lord die Band 1976 auflöste.

Wir sollten uns aber heute darüber glücklich schätzen, dass dieses Werk überhaupt zustande gekommen ist, war es doch ein außergewöhnliches Zeitdokument der Fusion verschiedener Stilelemente. In keinem Rockalbum dieser Zeit und in diesem Genre findet man die musikalischen Einflüsse der betreffenden Zeit so eng verwoben, wie auf dieser letzten LP. Mit Tommy Bolan an der Gitarre kehrte der Blues in die Band zurück, gepaart mit Einflüssen des Soul, die David Coverdale als Sänger stimmlich sehr entgehen gekommen sein durften. Nicht zuletzt brachte Glenn Hughes noch den Funk mit progressiven Elementen mit ein. Es ist für mich das facettenreichste Rockalbum, das jemals produziert wurde, mit einer grandiosen Besetzung herausragender Musiker, die eigentlich überhaupt nicht harmonierten. Aber das kennen wir bereits z.B. von Fleetwood Mac. Auch diese Band war tief in Querelen verstrickt und lieferte nebenbei mit „Rumours“ eines der bestverkauftesten Alben in der Geschichte der Rockmusik ab. Meisterwerke sind nicht immer das Ergebnis von harmonischer Eintracht mit Gott und der Welt der Musiker. Große Werke entstehen oft aus Spannungen heraus, die offenbar die Kreativität beflügeln.

So ist „Come taste the band“ eines der vielfältigsten Rockproduktionen die ich kenne. Dass diese Formation nicht für die Ewigkeit geschaffen war, bedauere ich sehr. Spätestens hätte jedoch der unerwartete Tod des für Ritchie Blackmore engagierten Gitarristen Tommy Bolin 1976 ein Ende der Band bedeutet. Dieser Gitarrist, mit seinem extravagantem Stil starb, wie sollte es in dieser Zeit auch anders sein, mit 25 Jahren an einer Überdosis Heroin. Jon Lord kam dem offensichtlich intuitiv zuvor, indem er der Band vor Bolins Ableben den Todesstoß versetzte zu einer Zeit, in der die Rockmusik ohnehin durch den Einfluss von Disko, Funk und Soul eine Durststrecke zu meistern hatte. Für mich ist bis heute diese LP ein Highlight unter unzähligen Produktionen und ein Werk, das ich über die letzten 40 Jahre immer wieder gerne gehört habe.

Release 1975


Alter 15 Jahre

Birthcontrol – Live

Krautrock war die abfällige Bezeichnung angelsächsischer Musiker über die deutsche Antwort auf Rock Made in UK. Birth Control war, wie z. B.  Kin Ping MehEloy, EmbryoSatin Whale oder Can  ebenso der Versuch so zu klingen, wie die Vorbilder auf der grünen Insel. Natürlich konnte die Musik nicht konkurrieren. Es klang alles zeitweise etwas hausbacken, einfältig und manchmal unbeholfen. Zumindest im direkten Vergleich und aus dem Zeitgeist der 70er heraus betrachtend. Aus heutiger Perspektive sehe ich im Krautrock eine Musikrichtung, die an Kreativität und Einfallsreichtum kaum zu übertreffen und im direkten Vergleich, was deutsche Produktionen heute so hervorbringen, in der Tat eine echte unvergleichliche  Stilrichtung war.

Man muss bedenken, dass Tangerine Dream oder Kraftwerk als Deutsche Innovation als musikalische Vorbilder der ganzen Techno -und Hiphop-Kultur vor allem aus Übersee galten. Und irgendwann wird man „Eloy“ oder „Birthcontrol“ noch ein ähnliches Denkmal setzen, wie das bereits mit „Kraftwerk“ als eigener Kunststil geschehen ist.

Die Live-LP von Birthcontrol enthält nicht nur den Song „Gamma Ray“, der ab Mitte der 70er so ziemlich Standard in allen Discotheken war. Für eine Scheibe aus dem Jahr 1974 ist diese Platte jedenfalls in deutscher Hinsicht ziemlich heavy und die dominante Hammond-Orgel erinnert doch immer wieder, aus welchem Topf sich Birth Control damals bedienten. Irgendwie ist diese Doppelscheibe die Deutsche Antwort auf „Made in Japan“.

Diese Doppel-Live-Platte ist unbedingt! hörenswert, aber verlangt bei Stücken zwischen 10 und 20 Minuten ordentlich Sitzfleisch ab. Im Übrigen habe ich seinerzeit viele dieser Bands auch live erlebt. Ich kann es bis heute nicht so richtig fassen, dass ich Teil dieser Zeit war. Ich bin inzwischen ein großer Krautrock-Fan geworden, weil dieses Genre im Grunde progressiver Rock war, inklusive Elemente aus dem Genre „Jazz-Rock“, wofür Klaus Doldinger in etwa mit seiner Band viel Anerkennung erhielt. Was für eine grandiose Zeit, was für ein grandioser Stil! 

Das musikalische Erbe dieser Rockväter sollte eigentlich eine gute Voraussetzung gebildet haben, um auch im ESC bestehen zu können. Stattdessen haben Grönemeyer, Westernhagen, Maffay und Konsorten (die ich hier nicht verlinken will) die Musikszene verniedlicht. Deutsche sind einfach Schlagerheinis (inzwischen wieder geworden)! Und die Jammersongkultur mit Burani oder Benzko (auch das verlinke ich nicht) tragen ihr Übriges dazu bei. Die NDW (Neue Deutsche Welle) mit Vertretern wie etwa Nena oder DÖF waren im Vergleich dazu richtig frisch und innovativ! Das hatte noch Kultur! Der aktuelle Einheitsbrei in der so genannten Popmusik fördert nicht die Entwicklung neuer Stile und führt uns musikalisch weiter in eine Sackgasse! Vielleicht doch wieder Schlager zum ESC? 

Release 1974


Alter 15 Jahre

Eloy – Dawn

Natürlich ist man in den 70ern nicht um Pink Floyd herum gekommen. Diese Musik lief immer außer Konkurrenz und war deshalb für mich als waschechter Hardrocker keine musikalische Entgleisung. Pink Floyd war der Cooldown nach den schweißtreibenden Rhythmen gitarrelastiger Sounds. Und ist der Fokus mal auf keyboardafiner Musiker angelegt, schaut man sich natürlich nach „Alternativen“ um. So stieß ich damals auf „Eloy“, die deutsche Antwort auf „Pink Floyd“, auch wenn dieser Vergleich heute nicht mehr stimmt.

Die LP „Dawn“ steht heute noch immer in meinem Plattenregal. Eine musikalisch anspruchsvolle Produktion, purer Poetic-Rock, wie es ihn nur in den 70ern gab und der selbst bei den Leder- und Nietenposern Judas Priest auf der LP „Sad wings of destiny“ noch zu finden ist, weshalb ich diese LP von Priest immer noch am liebsten höre. Die völlig underrated Klassikrock-Formation Renaissance fällt ebenso in diese Liga. Diese Bands haben meine Soundlandschaft ziemlich erweitert. Ich entdeckte die sphärischen Klänge der so genannten Synthesizer, die in den 70ern sich langsam breit machten und von nun ab und vor allem exzessiv den Sound der 80er prägen sollten.

Bis heute zählt Vangelis, leider 2022,- wie so viele großartige Musiker auch -, verstorben,  zu den Künstlern, die mein Musikverständnis intensiv geformt haben. „Eloy“ war sozusagen der Einstieg, wie die Band Nektar auch. Man hat einen gravierenden Hörermangel, wenn man diese Künstler nicht kennt.

Ich möchte an dieser Stelle meinen Respekt an den Gründer der Band, Frank Bornemann zollen, der seit 1969 bis heute konsequent Eloy durch die Jahre getragen hat. 2023 ist die 20. Studioproduktion „Echoes from the past“ erschienen. Damit dürfte Eloy eine der dienstältesten noch aktiven Deutschen Rockbands sein. Bornemann hat als Sänger und Gitarrist unglaublich beeindruckendes musikalisches Material hinterlassen und jede dieser 20 Produktionen ist es Wert, einmal, wenn nicht so gar mehrfach oder häufiger, gehört zu werden.

Vor allem als Bassplayer war ich immer vom Stil des Bassisten Klaus-Peter Matziol beeindruckt, der durch seine eigene Art, das Bassfundamentes von Stücken zu legen, den besonderen Stil von Eloy mit prägte. Als Einstieg empfehle ich die Doppel-Live-CD (3 LPs) „Reincarnation on stage“ von 2014, die das großartige Potenzial dieser Band repräsentativ widerspiegelt. Eloy ist sicher neben den Scorpions und Kraftwerk die bedeutendste Rockband dieses Landes. Danke Frank Bornemann, Danke Klaus-Peter Matziol. 

Release 1976


Alter 16 Jahre

Thin Lizzy – Live and dangerous

Schon wieder eine Live-LP… Aber diese Doppel-LP steht einfach für die Ära des Classicrock und daher muss ich einfach ein paar Worte mehr über diese außergewöhnliche Band verlieren.

Wir hören hier Phil Lynott, den man durchaus als Jimi Hendrix an der Bassgitarre bezeichnen darf, auf dem Höhepunkt seines Musikerlebens. Er teilte in jeder Hinsicht das Schicksal des Gitarrengottes Hendrix, nicht zuletzt weil er sich als Dunkelhäutiger dem Rock zuwandte (was nicht üblich ist) und wie Hendrix auch seinen Drogenkonsum mit seinem Leben bezahlen wird. Auf „Live and dangerous“ finden wir auch die beiden Ausnahmegitarristen Brian Robertson, später bei Motörhead und Scott Gorham, aktuell bei Black Star Riders. Diese Band war in dieser Besetzung äußerst erfolgreich und ich möchte behaupten, dass Thin Lizzy die Rockmusik nicht nur weiter etabliert, sondern durch die Dürreperiode der damals prosperierenden Disco-, Funk- und Soulwelle getragen hat.

In dieser Zeit waren die großen Vorbilder des Rock nicht mehr allgegenwärtig: Deep Purple hatte sich aufgelöst, Uriah Heep war mit dem Ausscheiden von David Byron am schöpferischen Ende und Led Zeppelin hatten nach den großartigen LP’s „Houses of the holy“ und „Pyhsical Graffity“ ihr ganzes Pulver verschossen. Von Black Sabbath oder Nazareth will ich erst gar nicht groß reden. Zu keiner Zeit der Geschichte des Rocks waren die Gurken saurer als Mitte der Siebziger. Mit dem Erscheinen dieser LP 1978 war auch die Geburtsstunde des Heavy Rocks, den Van Halen mit ihrer ersten Scheibe lostreten sollten, nachdem  BostonForeigner oder Peter Frampton Mitte der 70er Jahre den Mainstream-Rock salonfähig machten. 1978 war auch die Geburtsstunde des Heavy Metal mit den prominenten Vertretern SaxonJudas Priest und Iron Maiden, die damals aber noch völlig out of order ein Nieschendasein fristeten.

Als jedenfalls „Live and dangerous“ in die Plattenläden kam, war von diesen „Musiksternen“ noch nichts am Horizont erkennbar und für uns ein aufweckender Schauer für den inzwischen eingeschlafenen Rock. So war das Livealbum mit der Crew um Phil Lynnot der Startschuss des härteren Rocks, befreit aus dem Rock `n Roll der 50er und 60er Jahre wie das noch Bands wie Kiss bis dahin zelebrierten. Natürlich waren die Thin Lizzy Produktionen der 70er Jahre immer noch vom Folk und Blues beeinflusst. Aber die Band ließ dieses Erbe mehr und mehr in den Hintergrund treten und prägte entscheidend den Classic Rock-Sound der 70er Jahre.

Wie wir heute wissen, ist „Live and dangerous“ nicht wirklich ein Live-Album, denn die einzelnen Instrumentenspuren der Liveaufnahme wurde im Nachhinein im Studio noch einmal neu eingespielt. Man bezeichnet dieses Verfahren als „Overdub“. Ursprünglich wollte man nur ein paar kosmetische Eingriffe durchführen … Anyway. Ob es nun als „Livealbum“ gesehen werden kann oder nicht spielt keine Rolle. Thin Lizzy war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und das Doppellive-Album steht bis heute als Garant für die Ära des Classicrock. Und wer genau hinhört, ahnt bereits was dann später bei Iron Maiden zum Markenzeichen wurde: Gekonnt inszenierte Gitarrenarrangements, die zweistimmig um ein Thema kreisen. Thin Lizzy war für den damals noch jungen Steve Harris von „Iron Maiden“ großes Vorbild und ein dominanter Bass mit mehrstimmigen Gitarrenriffs wurden zum Markenzeichen der erfolgreichsten Heavy Metal Band. Der Song „Emmerald“ von „Thin Lizzy“ könnte z. B. auch ein Stück von Iron Maiden sein.

„Live and dangerous“ ist bis heute eines der erfolgreichsten Livealben und für eine neue Ära der Rockmusik, die sich mehr und mehr zu einer eigenständigen Richtung entwickelte. AC/DC z.B., die bereits 1975 schon mit dem legendären Album „High Voltage“ für Furore sorgten, werden vom Blues niemals los kommen. Beim noch weiter entwickelten Rock, den Heavy Metal, mit Interpreten wie Judas Priest“ oder „Iron Maiden“ kann man den Blues als Grundlage der Komposition nur „erahnen“. Thin Lizzy haben gravierend dazu beigetragen, dass Rock eigenständiger und selbstbewusster wurde.

Augenfällig war der damalige Sound der Gibson Les Paul Deluxe, eine im Klangbild scharfkantigere und mit Mini-Humbuckern bestückte Variante der klassischen Les Paul Gitarre, die von „Scott Garham“ bis zur letzten Thin Lizzy Produktion „Thunder and lightning“ gespielt wurde (Pete Townshed von The Who war ein ebenso prominenter Vertreter dieser Gitarre). Dieses Zusammenspielt mit „Brian Robertson“ (später Gary Moore oder Vivian Campbell), die als Vertreter noch die Klassische Les Paul bedienten, macht diese Platte so einzigartig und zu einem Zeitdokument für einen großartigen Rocksound. Diese LP darf als Zeugnis des Classicrock in keiner Sammlung fehlen und wird von mir auch heute noch gerne gehört.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die starke Fluktuation der Musiker vor allem nach 1979. Während „Scott Gorham“ schon beinahe stoisch den linken Gitarrenkanal bediente, finden sich immer wieder bekannte Gitarristenpersönlichkeiten wie „Garry Moore“, John Sykes oder „Vivian Campbell“ ein. Auch Tommy Aldridge an den Drums ist so ein prominenter Vertreter. Thin Lizzy war also ein Sprungbrett für die spätere Heavy Metal Karriere einzelner Musiker und daher fällt dieser Band eine besondere Bedeutung in der Musikgeschichte zu. Dass „Lizzy“, wie die Band von ihren Fans genannt wurde, auch Heavy Metall abliefern konnte, bewies das letzte Album „Thunder and lightning“, das für mich persönlich als eines der besten Heavy Metal Produktionen gilt. Phil Lynnot starb jedoch 3 Jahre später, wie sollte es auch anders sein, 1986 an den Folgen seines exzessiven Drogenkonsums. Jimmy lässt schön grüßen.

Übrigens hat Thin Lizzy hier in Franken im September 1983 auf dem Monsters of Rock Festival in Nürnberg ihr letztes Concert auf dem Zeppelinfeld, zusammen u.a. mit Whitesnake, Saxon und Blue Öyster Cult gegeben. Exzessiver Drogenkonsum hat leider das Leben und die Familie des schillernden Bandleaders und Composers Phil Lynnot kurze Zeit später zerstört. Sein langjähriger Manager Chris O’Donnell bringt die Szenerie mit seinem Kommentar auf den Punkt: „Eine ehemals brillante Band verwandelte sich vor meinen Augen in Scheiße.“

Wäre Phil Lynnot heute noch am Leben, würde er sicher mit Leichtigkeit mit Thin Lizzy riesige Arenen füllen. Für mich persönlich ist Phil einer der ganz großen authentischen Figuren des Hardrock, etwa wie Lemmy von Motörhead für das Metier Heavy Metal auch. Sein musikalischer Einfluss für alle Bands, die nach ihm kamen ist unverkennbar und unumstritten. Mit seinem frühen Tod ist er natürlich zu einem Mythos stilisiert worden. Die Stadt Dublin, sein Geburtsort, hat ihm etwa ein bronzenes Denkmal in Lebensgröße gesetzt. Rest in peace Phil! Du warst der Wegbereiter für Tausende von Rockbassisten … und unzähligen Rock-Composern.

Release 1978


Alter 16 Jahre

Rush – Hemispheres

Meinem bereits verstorbenen Musikerkollegen „Hubert Wattenbach“ habe ich es zu verdanken, mit Rush  infiltriert worden zu sein. Und mit ihm war ich dann auch 1978 in der Hemmerleinhalle in Neunkirchen am Brand zur Tournee „Hemispheres“. Das erste und leider auch das letzte Mal, dass ich diese großartige Band live gesehen habe. Rush war in Deutschland nie wirklich die erste Adresse für progressiven Rock, obwohl die Band in ihrer 50jährigen Bandgeschichte fast 50 Millionen Datenträger verkaufte. In den USA hingegen gehörte Rush zu den Top-Acts und die musikalische Qualität der Livekonzerte gilt bis heute als phänomenal. 

Ich muss zugeben, dass ich Rush erst ab den 80er Jahren so richtig ins Herz geschlossen habe. Das war das Jahrzehnt ihrer großartigsten Releases wie „Moving pictures“, „Signal“, „Grace under pressure“ oder „Power windows“. Ich habe mir erst 2020 alle fehlenden CDs vor allem ab der Jahrtausendwende nachgekauft. Es gibt kaum eine Band, die mich bis heute mehr musikalisch inspiriert als Rush. Und es liegt nicht nur am Sänger, Keyboarder und Bassisten Geddy Lee, der sicher als einflussreicher und virtuoser Bassist, Sänger und Multiinstrumentalist in die Musikgeschichte eingehen dürfte. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit dem Heavy Stil, den Rush ab den 90ern an den Tag legte, nicht mehr so warm wurde. Ich liebte einfach die Synths im Arrangement. Und die sind später mehr oder weniger vollständig auf Kosten eines gitarrelastigen Arrangements aufgegeben worden. Das ist eine interessante Entwicklung, weil man gewöhnlich mit dem Alter ruhiger wird. Bei Rush ist genau das Gegenteil der Fall. Die Genialität ist dennoch geblieben, auch wenn die späteren Alben mehr Ohrenschmalz abverlangen und das sphärische Element der Musik der 80er Jahre abhanden kam. 

Durch den Tod des Drummers Neil Peart, der unangefochten bis heute zu den Top-Ten-Drummern der Rockhistory zählt, ist leider die Hoffnung auf einen Konzertbesuch für immer zunichte gemacht worden. Daher bleibt die Erfahrung, dass man in der Zeit das tun sollte, was man tun will. Es könnte sonst zu spät sein … Und auch in diesem Punkt entpuppt sich das Leben als ein großer Lehrmeister.

Release 1978


Alter 18 Jahre

Iron Maiden – Iron Maiden

Ich will am vorläufigen Ende meiner Reise nur ein einziges Heavy Metal Album erwähnten, das für mich bis heute epochal ist und was mich an dieser neuen Musikrichtung damals faszinierte. Und wenn man von Heavy Metal spricht, muss man eigentlich verschiedene Untergruppierungen klar differenzieren, wie Speed Metal, Thrash Metal und Death Metal. Später kamen Metal-Subgenres wie Black Metal, Power Metal, Symphonic Metal, Pagan Metal etc. hinzu.

Iron Maiden lässt sich aber in keine dieser Schubladen stecken. Gerade das erste Album ist mehr Progressive Rock als Metal. Und es hat mich damals schon fasziniert, denn Steve Harris war für einen Metal-Bassisten wie mich einfach so etwas wie Edward van Halen für einen Rockgitarristen. Auf einmal geriet der Bass in Szene, der in den 70ern in der Classic-Rock-Ära wenn überhaupt nur unterschwellig zu hören war. Natürlich gab es Ausnahmen, wie Geddy Lee von Rush oder Chris Squire von Yes. Aber hier sind wir im Genre Progrock.

Vielleicht war das erste Album von Maiden deshalb so ein Durchbruch, weil endlich der Bass als eigenes Instrument in der Rockmusik sein Debut feierte. Insofern hat Steve Harris vielen Rockbassisten mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit dem Bass geschenkt. Dafür bin ich ihm dankbar, auch wenn ich heute Iron Maiden nicht mehr höre, war der Einfluss für mich als Bassist sehr wichtig.

Release 1980


Heute

Musik will kreativ und individuell sein.

Ich bin im Nachhinein so unendlich dankbar für meine Reise als Bassist durch die Musikgeschichte der letzten 50 Jahre. Und die Reise hat mich heute wieder „back to the roots“ geführt. Ich erfreue mich für die Musik der späten 60er und der ganzen 70er. Das schillernde Jahrzehnt der Achtziger, in der Musikstile völlig in alle Richtungen hin explodierten, kommt mir heute mehr einfältig und abgedroschen vor. Doch gerade in diesem Jahrzehnt der 80iger war ich erfolgreich auf den großen Bühnen dieser Welt zu Hause.

In den 80ern berief man sich auf das, was vorher schon einmal da war. Nur hat man es dann förmlich effektvoll zu Tode produziert. Die musikalische Kreativität der 70er lässt sich nicht mit Worte fassen. Dieses Jahrzehnt ist ein Zeugnis musikalischer Schöpferfreude und Ausdruck der Freiheit, die politisch wie gesellschaftlich salonfähig war und mich heute dazu verleitet, darin den Höhepunkt der Menschheitsgeschichte bisher zu erkennen.

Dagegen ist 2023 eine fade, einfallslose, spießige und kleingeistige Epoche in der neben Egozentriker, Psychopathen und Narzisten vor allem Zensur und Gleichschaltung vorrangig ist. Es fehlt an musikalischem Weitblick und an Mut, einfach „sein Ding zu machen“ ohne sich daran zu orientieren, wie andere klingen bzw. wie man klingen sollte oder viel schlimmer noch, was die Gesellschaft oder das System erwartet. Und solange die Homerecordler an diesen Vorgaben kleben, wird sich daran nichts ändern. Musik will frei und kreativ zelebriert sein. Die 70er haben das eindrücklich unter Beweis gestellt.

Kommerzdenken war in den 60er und 70er Jahren nicht die Motivation Musik zu machen“, ist es aber heute von den unzähligen Mausschubsern, die zu Hause an ihrem Sequenzer sich mit Musikschnipseln, die andere Musiker hinterlassen haben, eine Karriere erträumen … Zu mehr reicht es heute offenbar nimmer …

Andre Hammon 2021