Beschreibung
Hintergründiges zum Natural Line Custom Shop
Wenn man wie ich 45 Jahre lang primär Precision Bässe spielte, lässt sich eine gewisse Gewohnheit im Sound und Spielgefühl natürlich nicht leugnen. Man lernt gewisse Eigenarten und Besonderheiten zu schätzen und arrangiert sich mit vermeintlichen Schwächen des Instrumentes, die durch Spieltechnik und Erfahrung kompensiert werden.
Was ich am Precision Bass generell bemängelte, war der fehlende 2. Tonabnehmer an der Bridge, der ein solches Instrument vom Sound her vielfältiger verwenden lässt. Ebenso störte mich die komplette Urethan-2-Komponenten-Lackierung, die die klangliche Entfaltung des Instruments einschränkt und regelrecht »festhält«. Vor allem auf der Rückseite des Halses mochte ich die komplette Versiegelung der Holzoberfläche mit Urethan nie. Dass man heute so ein Instrument in neuer Ausführung mit einer offenborigen matten Lackierung standardisiert bekommt, lässt dieses Manko halbwegs erträglich erscheinen. Ebenso ist die komplette Lack-Versiegelung des Korpus für mich nicht akzeptabel, weil dies meiner Meinung nach die klangliche Entfaltung schmälert. Es gibt noch unzählige Faktoren, wie z.B. eine großflächigere Bridge oder die Möglichkeit, die Saiten durch den Body zu führen, das Klangbild eines Instruments positiv zu beeinflussen. Schließlich ist ein einteiliger Body Garant für die einheitlich Tongestaltung eines Instruments.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, dann möchte man solche Optimierungen verwirklicht sehen. Und wenn man das serienmäßig nicht bekommt, ist die Idee einer Customshop-Variante fast unumgänglich. Obwohl ich rudimentäre Erfahrungen im Instrumentenbau als Klavier- und Chembalobauer gesammelt habe, lasse ich dennoch die Finger davon, da ich einfach die Mittel, wie einen adäquaten Maschinenfuhrpark nicht zur Verfügung habe. Man ist gut beraten, so ein Projekt mit einem erfahrenen Instrumentenbauer für Bässe zu realisieren. Mit Claus Nagel habe ich einen Holzfachmann, Musiker, Soundtüftler und Perfektionisten in einer Person gefunden, mit dem ich ein solches Projekt erfolgreich realisieren kann.
Dennoch legt einem die Praxis gewisse Grenzen auf, z.B. wie sich der Farbton Gelb als Beize auf ein rötliches Holz wie Erle auftragen lässt, ohne am Ende Orange als Ergebnis zu erzielen. Wie gesagt, wollte ich keine Lackversiegelung mehr haben. Und wie geht man schließlich damit um, dass der Blauanteil im Holz einer Erle das Instrument nicht unschön Richtung grün verfärbt. Es ist eine Herausforderung, dunkleres Holz mittels Wasserbeize in Richtung eines helleren Tons wie gelb zu bewegen.
Unkalkulierbar sind also die spezifischen Eigenschaften des gewünschten Holzes »Erle«. Man kommt daher nicht umhin, Musterreihen auf unbehandeltem Holz zu kreieren, das möglichst aus dem gleichen Stamm besteht, da jeder Baum andere Qualitätsmerkmale und Farbgebungen besitzt. Jetzt wird auch klar, warum Instrumente von der Stange mit dicken Urethanlacken überzogen werden. Nur so ist eine halbwegs gleichbleibende Qualität möglich. Beize, Wachs und Öl sind eben unkalkulierbare Größen. Solche Instrumente sind eben individuell, schon allein von der Maserung her gesehen. Dessen sollte man sich bewusst sein. Und dies erklärt auch den Umstand, warum so ein Instrument nicht für 1.000 € zu haben ist. Und wenn man obendrein einen Stundenlohn für Handwerker kalkuliert, der auf dem Niveau der üblichen Handwerkerkosten in Deutschland anzusiedeln ist, dann kostet so ein Instrument schnell 5.000 € oder mehr. Daher liebe Musikerfreunde, könnt‘ ihr euch nur halbwegs eine Vorstellung davon machen, was sich eigentlich hinter einem Eigenbau für enormer Aufwand verbirgt. Das weiß nur der, der es schon einmal selbst gemacht hat.
Neben gelb als Body und sollte der Bass noch gewachst und geölt anstatt mit Farbe lackiert sein und weiße Blockinlays im Griffbrett aufweisen. Das ist für einen Precision völlig unüblich. Traditionell besitzt der Neck dunkle oder helle Dots, die früher noch aus Perlmut hergestellt waren.
Schließlich stammt die komplette Elektronik von Claus Nagel und ich bin jedes mal beim Sound über die handgewickelten PUs und das handverlötete Wiring mit ausgesuchten Bauteilen sehr erfreut. Das alles summiert sich zu einem aufregengen Instrument, das man gerne spielt und man sich darüber freut, dass es so individuell ist, wie sein Spieler selber. Ich danke Claus Nagel für dieses gelungene Instrument. Inzwischen fertigt der Bassbaumeister die »Natural Line« serienmäßig unter Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse des bestellenden Musikers.
Bemerkung
Der höhere Anschaffungspreis dieses Masterbuilt Instrument ist in jeder Hinsicht mehr als gerechtfertigt wenn man bedenkt, dass so ein Bass der großen Marken Fender oder Gibson in einer Masterbuilt-Version mindestens das Dreifache kostet. Das Instrument hat eine lebenslange Garantie auf alle handgefertigten Teile und kann jederzeit zur Inspektion, Modifikation, Reparatur etc. an Claus Nagel gesendet werden. Weitere Informationen zu den Claus Nagel Bässen findest du unter Claus Nagel Guitars.













